Auf den Spuren von Harry Potter und den Römern

Harry Potter lief in den Gängen schon des Öfteren herum – und wird es künftig vielleicht auch noch das eine oder andere Mal tun. Er befreite hier im Film »Harry Potter und die Kammer des Schreckens« etwa den Hauselfen Dobby. Die Lacock Abbey ist aber nicht nur, weil sie schon Filmkulisse für Harry Potter war, sehenswert.

Das ehemalige Nonnenkloster aus dem 13. Jahrhundert ist gut erhalten. Mittlerweile ist es im Besitz der Familie Talbot. Vor allem William Henry Fox Talbot dürfte Hobbyfotografen ein Begriff sein. Er entwickelte das Prinzip des Negativ-Positiv-Verfahrens, das die Vervielfältigung eines fotografischen Bildes durch Abzüge vom Negativ ermöglichte. Auch deshalb ist ihm beim Eingang zur Lacock Abbey ein kleines Museum gewidmet.

Vermarktet wird dieses sowie die Abbey und das malerische Dorf Lacock seit 1944 vom National Trust. Dies ist eine gemeinnützige Organisation, die Objekte aus dem Bereich der Denkmalpflege und des Naturschutzes in England, Wales und Nordirland betreut. Der Eintritt ins Dorf ist frei, für die Abbey muss gezahlt werden.

Nicht weit weg von Lacock wartet übrigens schon der nächste Höhepunkt auf England-Liebhaber: Bath. Die Stadt liegt am südlichen Ende der Cotswolds in der Grafschaft Somerset in Südengland. Schon die Römer wussten, dass diese Stadt etwas ganz Besonderes hat – nämlich die einzigen heißen Quellen Großbritanniens. Und deshalb errichteten sie hier Römische Bäder. Diese sind teilweise noch sehr gut erhalten – und ein Besuch lohnt sich allemal, wenn man tief in die Geschichte eintauchen will. Man sollte nur bedenken, dass Bath Jahr für Jahr Scharen von Touristen anzieht und die Bäder sich großer Beliebtheit erfreuen. Längere Wartezeiten sollte man also einkalkulieren. Baden kann man dort freilich nicht mehr, aber Bath hat unweit der Römischen Bäder eine neue Therme errichtet – und dort kann man die heißen Quellen wirklich noch genießen.

Wer nicht so gern ins Wasser mag, hat aber noch jede Menge Alternativen. Bath, das seit 1987 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, ist vor allem architektonisch ein Hochgenuss. Bath unterscheidet sich dabei deutlich von den anderen englischen Städten. Auch deshalb sollte man es sich nicht nehmen lassen, zu Fuß durch die Straßen zu schlendern. Der Architekt John Wood der Ältere und sein Sohn John Wood der Jüngere entwarfen ein großzügiges Stadtbild, das keinem starren, geometrischen Schema folgt. Wood der Ältere begann 1729 etwa mit dem quadratischen Queen Square, es folgte 1754 die monumentale Anlage des kreisrunden Circus mit drei einmündenden Straßenzügen. Der Sohn führte schließlich das Werk des Vaters fort. 1767 entstand noch der Royal Crescent, ein halbkreisförmiger Platz, der an der offenen Seite den Blick in einen englischen Garten eröffnet.

Auch ein Besuch des Jane Austen Centres, das dem vorübergehenden Wohnhaus der englischen Schriftstellerin nachempfunden ist, lohnt sich. Auch Sally Lunns Refreshment House (das älteste Haus von Bath aus dem Jahr 1483 das nahe der wunderschönen Abbey steht), ist sehr sehenswert. Man ist einfach hin und weg – oder einfach nur Baff in Bath.

In dieser Stadt kann man sich also durchaus einige Tage aufhalten, aber auch ein Ausflug nach Wells lohnt sich. Die dortige Kathedrale, an deren Westfassade sich 300 mittelalterliche Statuen befinden, zieht die Blicke auf sich. Direkt daneben ist der sogenannte Vicars Close. Dabei handelt es sich um die älteste durchgängig bewohnte Straße Europas aus dem 14. Jahrhundert.

Und wer gern am Meer ist, der sollte seine Reise in Weymouth fortsetzen. Hier fanden 2012 die Segelwettkämpfe bei den Olympischen Spielen statt. Hier kam übrigens auch der Krake Paul auf die Welt. Dieser sorgte bei der Fußball-WM 2010 als Orakel für Aufsehen. Und wer lieber eine Burgruine besichtigt, der ist in Corfe Castle genau richtig. Gerade Südengland hat sehr viel an Sehenswürdigkeiten zu bieten – für jeden Geschmack ist da sicherlich etwas dabei.           SB