Auf den Spuren von Anderl Heckmair

Im Juli 1938 wurde er weltberühmt: Anderl Heckmair überschritt damals als Erster die Eiger Nordwand. Für die damalige Zeit eine herausragende Leistung. Sein halbes Leben verbrachte der Bergsteiger dann in Oberstdorf – und im Allgäu ist man auf seinen berühmten Bürger auch heute noch sehr stolz.

Das bestätigt auch Oskar Fischer, den in Oberstdorf ebenfalls jeder kennt. Oskar Fischer war bei neun Olympischen Spielen und ebenso vielen Alpinski-Weltmeisterschaften in den unterschiedlichsten Aufgabenfeldern tätig. Seine Erfahrung war auch immer wieder gefragt, wenn es um die Bewertung von Olympia-Austragungsorten ging. Neben dem Skifahren hat der 74-Jährige das Bergsteigen zu seiner Leidenschaft gemacht. Als Bergwanderführer des Oase Alpincenters führt er die Touristen Jahr für Jahr durch die Allgäuer Alpen – und genau an diesem Punkt kommt Anderl Heckmair wieder ins Spiel.

Seit ein paar Jahren gibt es nämlich ihm zu Ehren den Anderl Heckmair Gedächtnis-Pfad in Oberstdorf – einer der Initiatoren war Oskar Fischer. »Zuerst sollte eine Straße nach ihm benannt werden«, erzählt er, »aber das hätte nicht so gut gepasst wie der Gedächtnis-Pfad in den Bergen.« Da liegt es nahe, dass genau dieser Pfad auch ein großes Stück der dreitägigen Eingehtour mit Panoramablick des Oase Alpincenters ausmacht. »Anderl Heckmair war hier besonders gern unterwegs«, erzählt Oskar Fischer, »auch noch im hohen Alter.«

Doch bevor sich die Gruppe auf die Spuren von Anderl Heckmair begibt, steht gleich noch am ersten Tag ein erster schweißtreibender Anstieg bevor. Zunächst geht es aber gemütlich durch das beschauliche Ortszentrum von Oberstdorf – erste Station ist die Bergschau mitten im Dorf. Dort erklärt Oskar Fischer an einem Modell erst einmal, wo es die nächsten Tage lang geht. Die erste Hürde ist dann gleich genommen, die Wanderung in der Ebene führt zum Freibergsee – und von dort hat man einen wunderschönen Blick auf die Skiflugschanze von Oberstdorf.

Erst jetzt wird’s allmählich ein wenig sportlich, 700 Höhenmeter galt es zu bewältigen. Denn über die Hochleite geht’s hinauf zum Berghaus Schönblick, das auf 1400 Meter liegt und hier – inmitten einer wunderschönen Landschaft mit Blick auf Oberstdorf – ist die erste Übernachtung vorgesehen.

Der zweite Tag der dreitägigen Tour hat es dann so richtig in sich – und nun begibt sich die Gruppe gleich auf die Spuren von Anderl Heckmair. Los geht es an der Bergstation der Söllereckbahn. Die Bergsteiger erfahren auf Infotafeln Wissenswertes aus Heckmairs Leben. Bei einer Tafel geht es zum Beispiel über die Anfänge seiner Touren in den Ost- und Westalpen und den Dolomiten, die er bereits Ende der 1920er Jahre unternahm. Aber natürlich ist eine Tafel auch der Erstbesteigung der Eiger Nordwand und den Expeditionen im Himalaja gewidmet. Neben den Infotafeln hat auch Oskar Fischer viel zu erzählen. Er kennt sich in den Bergen aus – er weiß jeden Berggipfel, kennt jede Blume und er weiß auch, wenn er gen Himmel blickt, wie das Wetter wird. Gleich in der Früh sagt er, dass es heute nicht regnen werde. Ganz anders wie vor ein paar Jahren. »Da hatten wir am ersten Tag auch an die 30 Grad, am zweiten Tag gab’s dann aber einen Schneesturm.« So etwas, sagt Oskar Fischer, habe er nur einmal erlebt. »Doch davor braucht ihr euch diesmal nicht fürchten«, sagt er – ganz im Gegenteil. Vielmehr macht der Gruppe die Hitze zu schaffen, schließlich galt es, 1000 Höhenmeter zu überwinden.

Über eine wunderschöne Gratwanderung entlang der deutsch-österreichischen Grenze geht es dem ersten Gipfel an diesem Tag entgegen: dem Fellhorn, das auf 2038 Meter liegt – für viele ist es das erste Mal, dass sie diese Marke knacken. »Ein tolles Gefühl«, sagt Astrid. Oskar Fischer gewährt seiner Gruppe eine kleine Verschnaufpause, um das herrliche Panorama sowie die Flora und Fauna zu genießen. Selbst die Murmeltiere kommen aus ihren Schlupflöchern heraus, um sich fotografieren zu lassen.

Doch dann geht es bald weiter, denn das Tagesziel ist erst zur Hälfte gemeistert. Die Gruppe verlässt nun den Anderl Heckmair Gedächtnis-Pfad – und es wird jetzt auch immer mehr alpines Gelände. Es geht zunächst noch einmal rund 300 Höhenmeter hinunter – teils auf einem sehr schmalen Weg – ehe der zweite Anstieg an diesem Tag folgt. »Jetzt wird’s noch mal knackig«, stimmt Oskar Fischer seine Bergsteiger auf die letzte Stunde ein – und der Aufstieg zur Fiderepasshütte hat es wirklich in sich. Ein kleiner Bergbach hat sich seinen Weg in diesem Gebiet gebahnt, links und rechts ragen steile Felsen Richtung Himmel. Auf den letzten Metern muss die Gruppe noch ein kleines Schneefeld – das letzte Überbleibsel des Winters passieren – dann geht es endlich in die letzte Kurve, bevor die Fiderepasshütte auf 2067 Meter erscheint. Wenig später geht bereits die Sonne unter und, wo kurz zuvor noch die Bergsteiger sich den Weg zur Hütte bahnten, erobern nun die Steinböcke die Berge rund um die Hütte.

Gute Nachrichten hat Oskar Fischer dann für den dritten Tag parat. »Jetzt geht’s nur noch bergab«, lacht er. Der Abstieg führt vorbei an der inneren Kuhgehrenalpe in das Wildental. In Riezlern im Kleinwalsertal endet eine wunderschöne Wanderung, die eine ideale Einstiegstour für alle ist, die erstmals über mehrere Tage in den Alpen wandern wollen. Und das besondere Bergfeeling entsteht nicht zuletzt dadurch, dass man auf den Spuren von Anderl Heckmair wandert. SB

TOURDATEN:

Anreise:

Die Anreise kann per Auto oder Bahn erfolgen. Kommt man mit dem Auto, parkt man am besten auf den Parkplätzen P 1 oder P 2 direkt am Ortseingang (Parkgebühr). Das Oase Alpincenter befindet sich direkt am Bahnhof am Gleis 1.

Gepäck:

Bergschuhe mit guter Profilsohle, Rucksack (circa 35 Liter), Teleskopstöcke, 2 Paar Wandersocken, Berghose, kurze Hose, Pullover oder Jacke, Wind- und Regenschutz, atmungsaktive Ober- und Unterbekleidung, Wechselwäsche, Kopfbedeckung, Sonnenbrille, Sonnencreme, Lippenschutz, Trinkflasche, Handschuhe, Tourenverpflegung, Badeschlappen für die Hütte, Hüttenschlafsack, Handtuch und Waschset (Proben). Blasenpflaster, Taschenlampe, Ohropax.

Unterkünfte: 

Berghaus Schönblick (1400 Meter) und Fiderepasshütte der DAV-Sektion Oberstdorf (2067 Meter).

Literatur:

Kompasskarte Oberstdorf-Kleinwalsertal.

Anspruch:

Für sportliche Anfänger ist die dreitägige Tour geeignet. Trittsicherheit und Ausdauer sind nötig.