Manchmal will ein Sportler einfach sein eigenes Ding machen – und eben nicht das, was der Trainer gerade will! Bei mir war’s jetzt auch soweit. Pamela Gutsch hat mir ein lockeres, einstündiges Lauftraining in den Plan geschrieben. Das heißt im Klartext, die komplette Einheit ist im niedrigen Pulsbereich durchzuführen und das geht nur, wenn man ganz langsam läuft. Aber darauf hatte ich halt mal gar keine große Lust! Weil ich just an dem Tag aus unterschiedlichen Gründen richtig geladen bin, will ich mir buchstäblich meinen Kopf freilaufen. Und das geht eben nur im schnelleren Tempo! Also, Vorgaben einfach mal ignoriert – und dahin geht’s!

Und schön war’s! Danach geht’s mir viel, viel besser. Nur der Blick auf meine Trainingsuhr verrät: Meine Trainerin wird von dem Ergebnis wenig begeistert sein. Ich bin mehr als deutlich über die Vorgabe hinausgeschossen. Mein Puls war fast permanent in einem viel zu hohen Bereich. Also beichte ich lieber gleich, bevor ich Pam die genauen Trainingsdaten meiner Uhr übermittle. Begeistert ist sie wahrlich nicht. Ich muss ihr hoch und heilig versprechen, dass ich die nächsten Einheiten wieder genau nach Plan laufe. So ganz verstehe ich ihre Aufregung nun wirklich nicht. Aber ja, klar: »Versprochen.«

Was ich da aber eigentlich angestellt habe, wird mir erst ein paar Tage später so richtig bewusst. Da treffe ich Tom Mayerhofer, einen der Renndirektoren des Eberl-Chiemsee-Triathlons. Wir quatschen so übers Training und ich erzähle ihm auch eben diese Geschichte. Und siehe da: Er versteht mich! Und sagt sogar: Einmal sei das sicherlich auch nicht so schlimm. Aber dann kommt’s. Er gibt mir aus seiner langjährigen Erfahrung auch was für den weiteren Trainingsweg mit: »Du musst dir aber auch immer eines ins Bewusstsein rufen: Deine Trainer investieren ganz viel Zeit in dich und deine Pläne.« Rums, das hat schonmal gesessen! Und Tom setzt noch eins drauf: »Und sie denken sich bei der Ausarbeitung der Einheiten ja auch etwas.« Ehrlich: Mein schlechtes Gewissen plagt mich noch immer!

Aber Toms Ratschlag ist genau zur rechten Zeit gekommen! Denn jetzt war ich auch ein paar Tage mit einer heftigen Erkältung im Bett gelegen. Und es gibt eine Sache, die mögen Sportler echt gar nicht: Krank werden in der Vorbereitung! Das kostet einen halt doch gleich ein paar Wochen wertvolle Trainingszeit. Aber hilft nichts.

Meine beiden Trainer Bernd Rose und Pamela Gutsch heben jedenfalls beide sofort warnend den Zeigefinger: »Erst vollständig auskurieren, dann wird wieder trainiert.« Und das die ersten Wochen eben auch nur mit angezogener Handbremse. »Aber du wirst sehen, du verlierst nicht viel«, schiebt Pam noch aufmunternd hinterher. Und mit Toms Worten im Gedächtnis werde ich jetzt eben genau das machen, was mir meine beiden Coaches so auftragen – auch wenn’s manchmal auch ein wenig schwer fällt. Stephanie Brenninger